Dr. Joachim FISCHER

Jahrgang 1940 - Skiclub Heigenbrücken

Präludium

„Präventivmedizin für Zahnärzte“ ist der Titel einer Fortbildung im Juni 1976, auf der ich vom Wert des regelmäßigen Ausdauersporttreibens überzeugt werde und vier Wochen später laufe ich an einem heißen Julisonntag im Bühlertal den 1. Marathon. Laufen ist zu viel gesagt, denn ab Kilometer 25 habe ich Schmerzen in den Knien und wandere bis zum Ziel. Es war ja auch nicht der Marathon im Bühlertal gemeint, sondern der “Schwarzwaldmarathon“ in Bräunlingen, bei dem mich der Kollege treffen wollte. Den kann ich dann im Oktober schon ganz durchlaufen in 3:39 h.  

1. Akt

Nach einigen weiteren Marathons bekomme ich ein Probeexemplar von „Spiridon“ in die Hände, in dem über Ausdauermehrkämpfe berichtet wird. Ähnlich wie Boris Becker beim Tennis entfacht 1977 Didi Thurau (einige Tage in „gelb“ bei der Tour de France eine neue Begeisterung fürs Radfahren in Deutschland. Auf einem geliehenen und viel zu großen Rennrad bestreite ich im Juli 1978 bei Dachau mein erstes Zeitfahren über 106 km für den Bayrischen Ausdauervierkampf, der mit einem Skilanglauf über 30 km im Winter beginnt. 1000 m Schwimmen am Tag nach dem Radfahren im Münchner Dantebad und ein herbstlicher Lauf über 10 km im Olympiagelände von München beschließt diesen Ausdauermehrkampf. Die Freude an der Abwechslung im Ausdauersport ist geweckt.  

1. Zwischenspiel

Skilanglauf in ganz Europa, König-Ludwig-Lauf, Dolomitenlauf, Marcia Longa, Finlandia, Vasalauf, Birkebeiner und lange Läufe bis 100 km und weitere Ausdauerkämpfe, deren Problematik durch die steigenden Spritkosten wächst. Dann  ... die ersten Nachrichten vom Ironman auf Hawaii und aus Anlass meines 40. Geburtstages lade ich die Sportfreunde zu einem Ausdauerdreikampf ein. Wir laufen beim Volkslauf in Goldbach die 20 km, Radeln dann vom Engländer über die Spessarthöhen nach Frammersbach und schwimmen schließlich im Terrassenbad 1000 m, fast alle bekommen Krämpfe in den Beinen. Doch das Konzept für den Frammersbacher Dreikampf steht. Er hat dann ab 1981 an die 20 Ausgaben.  

2. Akt

Die Grundlagenausdauer durch den Skilanglauf im Winter und eine gezielte Vorbereitung nach Steffny im zeitigen Frühjahr und beim Marathon in Giessen kann ich erstmals mit Freund Alois Mühltaler unter drei Stunden bleiben. Der 2. Rhöner Ausdauerdreikampf in Ostheim wird im Juni 1983 als echter Triathlon ausgetragen. Im Ziel weiß ich, dass mich dieser Sport zeitlebens begleiten wird. Schon eine Woche später starte ich beim 1. Wormser Triathlon (Mitteltriathlon) und vier Wochen darauf in Zürich über die Ironman-Distanz. Eine neue Sportart ist entstanden!

2. Zwischenspiel  

Veranstaltertreffen in Frammersbach. Manuel Debus gründet den Deutschen Triathlon Verband. Eine Gesprächsrunde in Nistertal im Herbst mit Günter Kissler bringt kein Ergebnis. Manuel Debus tritt Anfang 1984 als Vorsitzender des DTV zurück. Ich lade zum 31.3.1984 zur Gründungsversammlung des Bayerischen Triathlon Verbandes nach Heigenbrücken ein. Hier wird der 1. Triathlonlandes-verband in Deutschland gegründet. Tagsdarauf werde ich zum Vorsitzenden des DTV gewählt. Der Triathlonsport in Deutschland und weltweit beginnt sich als eigenständige Sportart zu etablieren. 

3. Akt

Im Herbst 1984 fliege ich mit einer deutschen Gruppe zum Ironman auf Hawaii. 100 Dollar und die Kopie des deutschen Passes sind die Voraussetzungen für die Teilnahme. Ich komme ins Ziel, doch schon hier wird mir klar, dass mir diese langen Sachen nicht unbedingt liegen. Der Mainparktriathlon im Juli 1993 ist mein 100. Triathlon. Strecken zwischen dem 1/10- Ironman (auf Lanzarote) und der vollen Distanz stehen zu Buche, die große Mehrzahl über die dann sog. Olympische Distanz. Nach mehreren vergeblichen Anläufen in Zürich und in Frankfurt, zuletzt 2006, verspreche ich meiner Frau, keinen weiteren Versuch zur Ironman-Qualifikation zu machen.  Die Teilnehmerfelder in den Altersklassen werden dünner und so gelingen mir jetzt schon hin und wieder Erfolge bei Deutschen Meisterschaften im Wintertriathlon, über die Mitteldistanz und im Cross-Triathlon. Diese ganz ursprüngliche Variante des Triathlons, Windschattenfahren ist da kein Thema, macht mir viel Spaß und seit 2001 komme ich regelmäßig aufs „Stockerl“, sechsmal sogar ganz oben.  

Finale

Triathlon ist ein „Livetime-Sport“ und meine Freude daran ist nicht weniger geworden, wenn auch die Wettkampffrequenz nachläßt. Solange ich noch lachend ins Ziel kommen kann und der Veranstalter nicht auf mich warten muß, will ich diesen Sport betreiben, der mich seit 1983 fast um die ganze Welt geführt und vielen gleichgesinnten Menschen näher gebracht hat. Das gilt aber auch für die Musik im Orchesterspiel oder in der Kammermusik, die ich nie missen möchte.