Klaus HÖHLE

Jahrgang 1939 - TV 1848 Erlangen - (Mittelfranken)

Es begann mit dem vorletzten Platz bei einem Volkslauf

Durch einen Arbeitskollegen wurde ich am 14.6.1991 zu einem Volkslauf über 10 km im Pegnitztal zur Teilnahme eingeladen. Mit etwas Vorbereitung trat ich auch hoffnungsvoll an, jedoch mit einem nicht befriedigenden Ergebnis. Wie man unter Insidern so sagt, wurde ich durchgereicht. Im Zielbereich warteten hoffnungsvoll meine Frau Doris sowie mein Sohn Matthias und es wurde durch meinen Sohn die Frage gestellt: „Mami, jetzt sind doch fast alle da und auch die Alten, wo bleibt denn unser Papi?“ Die Antwort meiner lieben Frau war: „Wenn er sich nicht verlaufen hat wird er schon noch kommen!“ Ich kam an, als Vorletzter von 159 Startern im Hauptfeld in der Zeit von 0:58:40 Std.

Dieses Ergebnis machte mir deutlich klar, in welcher körperlichen Verfassung ich war. Es war nichts mehr vorhanden aus der sportlichen Vergangenheit, die bis dahin 28 Jahre zurücklag. Der Ergeiz war geweckt, da muss etwas passieren und zwar sofort. Meine Sportarten aus der Jugendzeit wie Skispringen und Eishockey waren in meiner Altersklasse wohl nicht mehr ratsam. Also verlegte ich mich auf`s Laufen und ein intensives Training begann. 1992, ein Jahr nach meinem „Erfolgserlebnis“ in Pegnitztal bestritt ich in der AK M 50 meinen ersten Marathon in der Endzeit von 3:24:15 Std.

3 Monate später erreichte ich beim Frankfurt-Marathon das Ziel in der Endzeit von 3:04:17 Std. Eine innerliche Zufriedenheit kehrte bei mir ein und ich stellte fest, es geht ja noch, man muss nur etwas tun.

Voll in der Midlife-Krise, ein Zeitungsartikel, sowie ein erhebliches Polster an Urlaubstagen animierte mich zu einer Fahrradtour durch Australien im Zeitraum Januar bis Ende März 1993. Die antrainierte Fitness kam mir zugute, sodass ich dieses Abenteuer ohne größere Probleme meisterte, waren es doch ca. 8600 km. Viele hielten mich für Verrückt, doch ein Jugendtraum wurde teilweise erfüllt. Das Kind im Manne war befriedigt und meine Frau war froh mich noch lebend zu sehen.

Im Juni 1993 stellte ich den Aufnahmeantrag beim TV 48 Erlangen, denn ich wollte in Zukunft den Laufsport unter Gleichgesinnten betreiben. Schnell fand ich Anschluss und hörte etwas von der Sportart – Triathlon.

Meine damals einsetzenden Gelenkprobleme im Kniebereich führten dazu etwas zu unternehmen, was ausgleichend wirken könnte zur einseitigen Laufbelastung.

Eine Ausschreibung über einen Kurztriathlon in Hofheim beschäftigte mich. Ich wollte wissen, wie das geht. Kurz entschlossen startete ich im Juli 1993. Außer meiner eigenen Badehose sowie Laufkleidung lieh ich mir alles bei Freunden aus. Bei meiner Körpergröße von nur 1,68 m, z.B. das nicht passende Fahrrad mit Rahmenhöhe 56 cm, usw. Vor dem Start wurde mir von Freunden alles erklärt, was in welcher Reihenfolge so abläuft. Ich hatte es sofort begriffen. Nach einer „Prügelei“ im Schwimmbad auf Bahnen, alle schwammen im Kraulstil und ich schwamm im erlernten Bruststil, ging es in die Wechselzone. Als erstes setzte ich in der Hektik den Helm auf, danach versuchte ich das Hemd darüber zuziehen und so fort. Es muss für die Zuschauer ein Erlebnis gewesen sein. Irgendwie bin ich auf`s Fahrrad gesprungen und los ging die Jagd. Diese Disziplin lag mir dann doch besser und ich konnte aufholen. Obwohl ich mir mein Hinterteil durch das zu große Fahrrad wund rieb. Am Ende war es Platz 2 in der AK M 50 – Glück gehabt! Jetzt war es für mich klar. Mit gezieltem Training beim Schwimmen sowie weniger Chaos in den Wechselzonen ist hier etwas möglich.

Nach dem Prinzip, wenn das in Hofheim geklappt hat, dann schafft man auch die nächste Hürde. Und startete eine Woche später am 1.8.1993 in Erlangen auf der Mitteldistanz mit 2000 m Schwimmen, 92 km Rad und 20 km Laufen. Einen Tag vor dem Wettkampf fuhr ich mit meinem geliehenen Rad noch in einen Acker mit Überschlag. Mit Rippenschmerzen und Luftschwierigkeiten ging es an den Start. Dass ich nicht gut schwimmen konnte war mir klar, aber auf dem Fahrrad und beim Laufen kann man ja vieles gut machen. Das Schwimmen war der blanke Horror. Der Schwimmanzug drückte mir fast die Luft ab. Irgendwie schaffte ich es doch aus dem Wasser zu kommen. Die Schmerzen waren vergessen. Auf dem Fahrrad fühlte ich mich wohl. Doch ich bin noch nie zuvor 20 km, nach einer Strecke von 92 km Radfahren, gelaufen. Diese neue Art der Belastung war für mich und meinen Körper neu. Es war ein Erlebnis was ich noch nicht mitgemacht hatte. Ich lief wie auf Eiern, nur der Wille nicht aufzugeben trieb mich voran. Doch ich schaffte es. Nach dem Zieleinlauf legte ich mich auf den Rasen im Stadion und war mit der Welt fertig. (Platz 4 in der AK M 50). Man hob mich auf, flößte mir Wasser ein und schleppte mich zum Auto. Drei Tage konnte ich mich nur unter Schmerzen fortbewegen. Und so begann etwas, was ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt hätte. Ich erlernte den Kraustil, trainierte das Koppeltraining Radfahren und Laufen.

Meinen ersten Duathlon ohne das „geliebte“ Schwimmen bestritt ich in Gefrees im Sept. 1993 mit der Distanz 5/75/20 km. Der Wettkampf lief für mich sehr gut. Platz 1 in der AK M 50. Das gezielte Training zeigte den fast nicht geglaubten Erfolg. Meine Gelenkschmerzen waren durch die verschiedenen Sportarten einfach weg und ich konnte schmerzfrei ohne Salben aller Art trainieren, einfach toll.

Im gleichen Jahr versuchte ich mich mit wechselndem Erfolg in anderen Sportbereichen. So bestritt ich mein erstes Mountainbikerennen in St. Anton/Arlberg im Aug. 1993 und erreichte in der AK M 50 Platz 1. Ich musste erkennen, dass ich hier mit meinem Leben gespielt habe und beschloss, das war mein erstes und letztes Rennen dieser Art.

Ein 10 km-Lauf im Sept. 1993 in der „Mönau“ bei Erlangen zeigte mir die Grenzen. Trotz einer Zeit von 0:39:03 Std. war es nur Platz 4. Die Konkurrenz war zu groß und stark und alles zaundürre Spezialisten auf schnellen Beinen.

Der Teufel ritt mich als ich bei den Deutschen Meisterschaften in Berchtesgaden im Okt. 1993 im Berglauf auf den „Jenner“ teilnahm. Ca. 1200 Höhenmeter auf 8,6 km Länge. Am Ende war es Platz 9 in der AK M 50 und auch hier war mir klar, alles Cracks und spezialisierte Bergziegen mit gezielten Trainingsumfängen. Als „Flachländer“ hat man nur begrenzte Möglichkeiten auf vordere Plätze.

Also stand fest, ab sofort nur noch Duathlon und Triathlon mit gezieltem Trainingsaufwand!

Das Schwimmtraining im Winter 1993/1994 wurde verstärkt im Kraulstil begonnen. Alle brachten mir bis zur Verzweiflung das Kraulen bei, was meinen Trainern und mir den letzten Nerv raubte. Endlich im März 1994 war es soweit, ich konnte mich im Kraulstil über längere Zeit und größere Strecken fortbewegen. Es war zwar nicht das gelbe vom Ei, aber es war ausreichend. Nach dem Prinzip, erst mal heil aus dem Wasser, dann beginnt der Wettkampf. Diese Situation hat sich bis heute leider nicht verändert, schade!

Seit 1994 betreibe ich jetzt die Sportarten Duathlon und Triathlon und habe mich hier spezialisiert. Ab Herbst 1993 bis Ende 2005 nahm ich an 193 Wettkämpfen auf der Sprint-/, Kurz-/, Mittel- u. Langdistanz teil. Davon erreichte ich in der AK M 50, 55, 60 und 65 – 170 Podestplätze, davon 15 bei Deutschen Meisterschaften. In 11 Jahren bestritt ich 5 Powerman auf der Langdistanz und 25 Ironman (Ultratriathlondistanz); davon 8 Hawaii-Teilnahmen mit erfolgreichem Zieleinlauf.

Ein Hattrick der besonderen Art ist mir im Jahr 2000 gelungen. In der AK M 60 nahm ich innerhalb 11 Wochen an 3 Ironman teil und schaffte jeweils einen Podestplatz.

2004 war für mich ein besonders erfolgreiches Jahr. Ein Traum wurde war, den ich selbst nicht für machbar hielt. Im ersten Jahr der AK M 65 nahm ich mir vor bei allen 6 möglichen Deutschen Meisterschaften im Duathlon sowie Triathlon zu starten und Plätze auf dem Treppchen zu erreichen. Das ich am Ende eines Wettkampfjahres bei allen Meisterschaften erfolgreich war ist für mich fast wie ein Wunder. Muss man doch ein ganzes Jahr gesund bleiben und es darf nichts Unvorhergesehenes eintreten, z.B. ein technischer Defekt während eines Wettkampfes, Radsturz, Krankheit oder Verletzungen aller Art. Nach meinem Wissen bin ich der erste Triathlet im Deutschen Triathlonsport, ob Jung oder Alt, dem das in einer Altersklasse gelungen ist. In 12 Jahren Triathlonsport von 1994 – 2005 schaffte ich in Serie die Voraussetzungen für das Goldene Triathlonabzeichen in Gold.

Während meiner gesamten Wettkampfzeit in Duathlon- &.Triathlonsport erreichte ich trotz vieler Tiefen, Verletzungen und technischer Defekte immer die Ziellinie; nach dem Motto: „Gib niemals auf!“

Meine größten Erfolge:
TRIATHLON
Ironman – Powerman / Duathlon-Langdistanz

In der AK 55
2 x 2. Platz & 2 x 3. Platz beim IRNONMAN in Roth bzw. POWERMAN in Spalt und Zofingen (WM)
In der AK 60
1 x 1. Platz / 7 x 2. Platz / 3 x 3. Platz bei IRONMAN in Roth – Zürich – Kanada – Südafrika – Frankreich bzw. beim POWERMAN in Zofingen (WM)

Bayer. Meisterschaften - AK 55 / 60 / 65
4 x 1. Platz / 2 x 2. Platz / 3 x 3. Platz

Deutsche Meisterschaften - AK 60 / 65
1 x 2. Platz auf der Olympischen Distanz
2 x 2. Platz beim Cross-Triathlon
1 x 1. Platz und 1 x 3. Platz auf der Mitteldistanz
1 x 1. Platz auf der Langdistanz/Roth in 11:53:52 Std. (Jahresweltbestzeit in der AK 65)
1 x 1. Platz / 5 x 2. Platz bei Wintertriathlon

Europameisterschaften - AK 65
1 x 2. Platz im Wintertriathlon

DUATHLON
Bayerische Meisterschaften - AK 55 / 60 / 65

4 x 1. Platz und 1 x 3. Platz

Deutsche Meisterschaften - AK 60 / 65

2 x 3. Platz auf der Olympische Distanz

Weltmeisterschaften - AK 55 / 60

2 x 2. Platz und 1 x 3. Platz in Zofingen/Schweiz

Deutsche Meisterschaft – Mannschaft -
1 x 1. Platz auf der Olympischen Distanz mit den TV Erlangen


FAZIT: Zusammenfassend kann ich nur sagen, wenn mir 1991 bei meinen ersten sportlichen Gehversuchen einer gesagt hätte was hier möglich ist, den hätte ich wohl für verrückt erklärt. Es ist für mich selbst fast unbegreiflich, aber es ist halt so.

Entscheidend war ein gesunder Ehrgeiz in einem sportlichen sowie kameradschaftlichen Umfeld innerhalb des Sportvereins. Besonderen Dank gilt meiner Familie, die mir für meine sportlichen Aktivitäten in allen Belangen den Rücken frei gehalten hat. Bis Ende 2002 war ich noch voll im Berufsleben eingebunden und die Freizeit zum Training war begrenzt. Aber wem erzähl ich das, es geht doch allen Gleichgesinnten so und die werden mich verstehen. Wer ist denn schon ein Profi. Seit 2002 bin ich Rentner und kann mir jetzt meine Trainingszeiten sowie Trainingslager je nach Wetterlage einteilen. Allen Anderen, die vor dem ungewissen Entschluss stehen, wieder mal etwas zu tun, sage ich, probiert es doch mal, die Möglichkeiten sowie Ziele sind unbegrenzt.

Triathlon bzw. Duathlon hat mich und meine Einstellung zum Leben verändert. Gesundheit ist wohl das wichtigste Gut eines jeden Menschen und mit Sport kann man einiges dazu beitragen.