Gerhard KRAUSS

80. Geburtstag

Der BAYERISCHE TRIATHLON-Verband – gratuliert dem wohl ältesten aktiven Triathleten in Deutschland - wünscht noch viele sportliche & erfolgreiche Wettkämpfe bei bester Gesundheit.

Peter Pfaff - Präsident –

 

Gerhard Krauss – seine sportlichen Erfolge sind im BTV-Jahrbuch 2007 auf S. 31 nachzulesen - habe ich gebeten – einige Zeilen über das ALTER – MOTIVATION – RÜCKSCHLÄGE – ZIELE zu schreiben, um dadurch manchen AK-Athleten - so ab der M 60 - zu ermuntern, nicht gleich aufzugeben, falls mal „was“ passiert.

Als Senioren-Sportwart schließe ich mich den obigen Wünschen meines Präsidenten an.

Lieber Gerhard - deine Vorbildfunktion würdigt der SENIORENSPORT mit freiem Eintritt bei den Schwimm-Camp´s. Gerhard Müller aus Erlangen

 

Rein statistisch habe ich noch sieben Jahre vor mir, was natürlich meinen Ehrgeiz weckt, noch einige Jahre dranzuhängen. Schließlich werden die Menschen immer älter. Aber wie steht es mit der Lebensqualität? Mich erschreckt es, wenn ich alte Menschen mit schon rein äußerlich erkennbaren körperlichen Gebrechen sehe.

Wenn ich darüber ins Grübeln komme und einen Leidensweg vor mir sehe, muntert mich meine Frau auf: „Du bist biologisch allenfalls 70!“ Meine Jutta reduziert damit meine nagenden Zweifel.

Ich habe aber auch nach meinen Hawaii-Sturz und einem weiteren gesundheitlichen Rückschlag gelernt, noch aufmerksamer und realistischer in mich hineinzuhören – und wieder, wie so oft in meiner schon jahrzehntelangen Sport-Karriere mit unzähligen Wettkämpfen und Erfolgen in den verschiedenen Ausdauer-Disziplinen hat mich mein Körper positiv überrascht - fast ein kleines Wunder.

Es wiegt in diesem Alter viel mehr als früher, wenn ich wieder richtig Lust auf körperliche Belastung spüre. Liegt es auch daran, dass ich meine Trainings-Einheiten verkürzt habe?

Davon ermutigt, stellten wir uns beide der Herausforderung „Europäische Triathlon-Meisterschaften in der olympischen Distanz“, wo zeitversetzt auch die Profis ihre Meister suchten.

Ich habe es geschafft: Erster Triathlon-Europameister der Altersklasse 80-84 in der Geschichte der Europäischen Triathlon-Union. Es war hart genug. Im kalten Wasser Orientierungs-Probleme beim Zickzackschwimmen, dann im nassen Einteiler aufs Rad, bei Regen Unsicherheit durch meine Sehbehinderung, beim Laufen plagten mich schließlich heftige Muskelschmerzen im Rücken, die mich zum Anhalten und Dehnen zwangen. Ich schämte mich ein wenig dafür, dass ich den mir als Ältestem geltenden heftigen Beifall nicht durch einen flotten Zielsprint beantworten konnte.

Mächtigen Auftrieb gab mir einige Monate später mein überlegener Sieg auf der Zehn-Kilometer-Strecke bei den Sparkassen-Meisterschaften. Mit 58 Minuten und 15 Sekunden kam ich auf dem bergigen Kurs 17 Minuten vor meinem Verfolger an. Es war ein herrliches Lauferlebnis wie in alten Zeiten. Ich war mittendrin unter jungen Leuten. Meine Beinmuskeln signalisierten nach oben: „Her mit dem Sauerstoff, wir können noch schneller.“ Und alle Körperorgane machten in Hochform mit, Herz, Kreislauf, Lunge, die Sehnen und Gelenke - als ob sie mir beweisen wollten, was sie noch leisten können.

Wettkämpfe selektiert reduzieren, d.h. auch Zeit für andere Ziele. Wieder sattelten wir unsere Tourenräder und kurvten individuell durch das Allgäu und die Schweiz. An 16 Seen entlang, über Höhen und Pässe und danach zu Fuß mit dem Rucksack von der Haustür in meine Heimatstadt Hersbruck, 320 Kilometer in elf Tagen.

Für das erste Jahr nach meinem Achtzigsten läuft die Planung. Wir sind entschlossen – so Gott will – noch eine Radtour durch die USA zu wagen, diesmal von Süd nach Nord, von New Orleans bis hinauf zu den Niagarafällen. Das werden etwa 3000 Kilometer.

Auch freuen wir uns auf den MWC, die Senioren-Weltmeisterschaften im Skilanglauf in Frankreich. Im Sommer dann vielleicht noch einen Tria oder Dua – schön wär’s. Die Frage „Wie lange noch?“ stellt sich mir dafür sicher ernsthaft. Ansonsten schiebe ich das „Wie lange noch?“ erstmal beiseite.